Hier finden Sie die Pflanzenschutzempfehlung Nr. 26

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Sehr geehrte Damen und Herren,

die Hagelfront des gestrigen Unwetters hat eine Schneise gezogen von Tübingen über Reutlingen-Nord (Wannweil) und Metzingen-Nord (Riederich), über Nürtingen nach Kirchheim und darüber hinaus.
Der bis 3cm große Hagel hat umfassende Schäden hinterlassen - bei den Pflanzen: komplett entlaubte Bäume, zerstörte Hausgarten-Gemüsegärten, zerstörte landwirtschaftliche Kulturen.
Bei einjährigen Kulturen (Zucchini, Tomate, Kartoffel, Getreide...) haben wir oft kein Gewebe, aus dem ein "Neuaustrieb" erfolgen kann.
Falls unverletzte Torsos erhalten werden können, ist rigoros das beschädigte Gewebe zu entfernen und zu erhaltende aber beschädigte Laubblätter sind nochmal mit scharfer Schneide sauber zurückzunehmen:
die Pilze sind die Profiteure - sie finden ein reiches Angebot von weichem, schlaffem, offenstehendem Pflanzengewebe, das abgestorben oder noch mit Restleitungen verbunden ist. Vom Grauschimmel her kennen wir, dass er hauptsächlich totes Gewebe zersetzt, aber bei reichem Angebot auch auf noch vitales - aber geschwächtes Gewebe geht. Die Pilzerreger, die wir im Obstbau kennen, profitieren samt und sonders von geschwächten Pflanzen. Wenn der Saftdruck weg ist nutzen auch gut ausgebildete Zellwände nichts mehr - sobald Verletzungen vorliegen. Diese natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanzen sind nun gebrochen.

Was tun? - drohende Pilzinfektionen erfordern zügiges Handeln!

im Gemüsegarten

  • zuerst Sichtung von Schäden und Ausmaß
  • Sauberkeit ist gleichbedeutend mit Hygiene - im Gemüsegarten zerstörtes Gewebe entfernen oder unterharken.
  • saubere Rückschnitte bei den Gemüsepflanzen - das beschädigte Gewebe als Eintrittspforte für die Pilze entfernen
  • beachten: die Pflanzen werden gerettet, wenn sie nun vor den Pilzen geschützt werden und nicht, wenn man verletzte Stellen "heilen" lassen will, das funktioniert nicht, wir benötigen einen Neuaustrieb aus letzten verbliebenen Blattachseln
  • Flächenkulturen wie Kartoffeln können nun bei starken Hagelschlagschäden nur durch den Einsatz von Kupfer zu einer Ernteaussicht geführt werden - dennoch ist abzuwägen, da abtropfendes Kupfer die Regenwürmer stark schädigt

im Obstbau

  • zuerst Sichtung von Schäden und Ausmaß
  • bei stark zerschossenen Jungbäumen wäre ein Einsatz von Kupfer zum Schutz vor Pilzinfektionen angeraten - diese Verletzungen können prinzipiell gut verheilen, aber wenn hier einmal Pilzsporen eingedrungen sind, kann das ein dieses Baumleben begleitendes Problem werden (wie die Erfahrungen auf 2013 hin zeigen)
  • die entlaubten Bäume müssen aus Reservestoffen einen Wiederaustrieb stemmen - das schwächt die Bäume immens - hier bitte gleich eine Düngung im späten Herbst (organisch) oder im zeitigen Frühjahr (synth.) einplanen! Flüssigdüngung mit z.B. Wuxal auf das dann fertig entwickelte neue Laub ist günstig
  • ein Auftrag von Wundverschluss auf Hagelverletzungen ist nur möglich nach vorherigem sauberen Ausschneiden (Wundreinigung) - also unrealistisch aufwendig! Die Gefahr besteht wie gezeigt nicht darin, dass die Wunde nicht sauber verschlossen wird, sondern dass Pilzsporen keimen und eindringen. Wenn wir auf eine unsaubere Wunde Verschlussmittel auftragen - versiegeln wir vorhandene Sporen mit dem absterbenden Pflanzenmaterial - das ist kontraproduktiv.

Wir sind dankbar für Rückmeldungen und stehen für Fragen zu eurer Verfügung,
beste Grüße,
Thilo Tschersich


Ihre Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau
Isabel Möhrle, Ulrich Schroefel und Thilo Tschersich

Landratsamt Reutlingen
- Grünflächenberatungsstelle -
  Haydnstraße 5-7
  72764 Reutlingen

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